Wie Populismus funktioniert - oder warum wir uns vergebens an Klimawandelleugnern, Trump-Fans und Russlandverstehern abarbeiten
Es gibt so Sachen, die müssten bei etwas Beschäftigung mit dem Thema unstrittig sein. Etwa, dass ein Festhalten am Verbrenner-Motor die Klima-Ziele torpediert. Die siebenfache Energie ist zur Herstellung von E-Fuels im Vergleich zum E-Auto-Antrieb nötig. Nur in der Nische kann das eine Chance haben, für Retro-Technik-Fans vielleicht, die viel Geld für ihr Hobby ausgeben wollen. Dass die Bestandsflotte bis 2045 erneuerbar fahren kann, ist völlig unrealistisch. Trotzdem laufen Kampagnen dazu, die genau das suggerieren.
Anderes Beispiel: Im Ukrainekrieg ist völlig klar, dass Putin niemals eine souveräne Ukraine akzeptieren würde. Ein Stopp der Waffenlieferungen bedeutet Kapitulation mit Repression von mehr als 30 Millionen Menschen, Folter und Straflager für Andersdenkende. Wer die Ukraine mit dieser Drohung an den Verhandlungstisch zwingen will, gibt ihr Null Verhandlungsspielraum.
All das liegt eigentlich klar auf dem Tisch. Und doch verfällt in Ostdeutschland die Hälfte der Wähler diesen Positionen. In den USA, Frankreich oder Österreich ist es mit anderen Themen vergleichbar. Und ich stelle mir die Frage: Sind die Menschen wirklich davon überzeugt? Haben sie sich mit den Dingen beschäftigt? Wenn ja, müsste man verzweifeln.
Ich komme immer mehr zu dem Schluss: Da will niemand Zusammenhänge verstehen. Es ist eher eine Dickkopfmentalität: Es soll alles so bleiben, wie es ist oder wie es war. Diese Menschen haben für sich abgemacht: Ich möchte mich nicht mit Klimawandel und den Konflikten dieser Welt beschäftigen. Das bedeutet in der Konsequenz: Das Schicksal künftiger Generationen ist mir egal. Um die Kriege in der Ukraine oder Syrien und die Menschen dort brauchen wir uns schlichtweg nicht zu kümmern.
Das will sich natürlich niemand vorwerfen lassen, der noch etwas Anstand besitzt. Und deshalb braucht es Narrative zur Rechtfertigung. Hier setzt der Populismus an. Und der ist bösartig, weil er natürlich die Wahrheit kennt. Es entstehen Erzählungen, die den Adressaten gut in den Kram passen, sei es bei den E-Fuels oder der Ukraine. Diese können sich zurücklehnen und die Realtität ausblenden. Sie haben halt ihre "Meinung". An einer Diskussion über Fakten sind sie letztlich nicht interessiert. Mit dieser Erkenntnis lässt es sich leichter ertragen, mit den populistischen Narrativen umzugehen. Es geht ja gar nicht um Wahrheitsfindung.
Gleichzeitig haben die fossile Industrie oder Russland viel Geld zur Verfügung, um diesen Populismus zu unterstützen. Hier gibt es gemeinsame Interessen. Je mehr die etablierten Parteien solche Argumentationen aus Machtgier übernehmen, umso mehr werden die populistischen Narrative hoffähig, siehe CDU beim Verbrenner und die SPD in der Ukrainefrage. Hier sehe ich viel eher Brandmauern einstürzen als in der Frage, ob man gemeinsam mit der AfD für ein neues Gewerbegebiet abstimmen darf.