18.11.2020

Klimapfade für Deutschland – eine Studie der Boston Consulting Group (BCG)

Auf diese Studie bin ich durch das Spiegel-Sonderheft „Aufbruch nach Utopia“ gestoßen. BGC-Experten kommen dort mehrfach zu Wort. Das Management-Beratungsunternehmen wurde vom BDI beauftragt, die Studie zu verfassen, was natürlich schon eine gewisse Tendenz impliziert. Doch die Außendarstellung vieler Unternehmen hat sich ja durchaus gewandelt. Klima ist ein großes Thema. Die Botschaft immer wieder: Wir haben verstanden. Wirklich?

Die Studie, bereits veröffentlicht im Januar 2018, stellt zwar klar heraus, dass wir bei der aktuellen Politik im Jahr 2050 nur bei 61% Reduzierung der Treibhausgase landen. Es wird dann in Aussicht gestellt, 80% seien bei großer Kraftanstrengung möglich, 95% dagegen am Rande des Machbaren. Es sind Wirtschaftsleute, die einfach denken: Etwas langsamer geht es auch. Doch diese Option existiert nicht. Mein Eindruck ist dass sich die Politik an dieser Studie orientiert. Die geringen Ausbaupfade für Wind und Sonne oder die Annahme, der Strombedarf würde kaum steigen, die für viel Kritik sorgte, finden hier möglicherweise ihren Ursprung.

Fakt ist: Das CO2-Budget für 1,5 Grad ist bei gleichbleibendem Verbrauch weltweit etwa 2028 mit einer 2/3 Wahrscheinlichkeit aufgebraucht. Und 1,5 Grad ist die Marke, die der Weltklimarat 2018 in seinem Special Report (SR15) gesetzt hat. Paris hin oder her – 2 Grad sind zu viel. Dann sind die Kettenreaktionen nicht mehr aufzuhalten und wir landen trotzdem irgendwann bei 4 oder 5 Grad. Es gibt dann kein Zurück mehr, selbst wenn man noch so viel CO2 in die Erde presst. Verlorengegangene Ökosysteme lassen sich nicht wiederherstellen. Klimasysteme wie der Golfstrom gehen nicht auf Reset. Das weiß die Politik. Und trotzdem hat sie die 1,5 Grad Marke bereits aufgegeben. Nach etwa 2035 sind selbst 20% Emissionen des heutigen Niveaus zu viel. Wer über die Kliffkante fällt, hat auch nichts davon, wenn er vorher das Tempo leicht gedrosselt hatte. Wer annimmt, dass 20% Emissionen langfristig bleiben können, hat das Problem nicht verstanden.

Mir ist völlig klar, wie schwierig das ist. Die einzige Lösung, die ich sehe, ist, Wind und Sonnenenergie, Netze und Speicher sofort brachial auszubauen – mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Nur dann reicht es vielleicht noch für 2 Grad. Und mit viel Glück können wir dann doch noch einige Kettenreaktionen abwenden. Das einzige, was wirklich hilft, Öl, Gas und Kohle zu ersetzen, sind erneuerbare Energien. Von denen brauchen wir ein Vielfaches. Für Planfeststellungsverfahren ist im Klimanotstand keine Zeit. Bei Corona brauchte man auch keine 5 Jahre Vorlauf für Hygienekonzepte, um die Bürger „mitzunehmen“. Wenn der Staat selbst Milliarden in Offshore-Windparks investiert, bekommt er sogar seine Investition wieder heraus. Es stehen aber auch genug Investoren bereit. Auch die Produktionskapazitäten für Wind und PV müssten vervielfacht werden.

Stattdessen legt vor allem das CDU-geführte Wirtzschaftsministerium den Investoren Stoplersteine in den Weg: Solardeckel, Kontigentausschreibungen, geringe Offshore-Ziele, Hürden für den PV-Eigenverbrauch oder Zuschaltbare Lasten wie Elektrolyseure und vieles mehr. Umso unverständlicher, wenn heute noch Autos mit fossilen Brennstoffen verkauft werden.

Es gibt einen ganz einfachen marktwirtschaftlichen Weg: Ein hoher CO2/Treibhausgas-Preis für Öl, Gas, Benzin bis hin zur Landwirtschaft. 10 Euro sind ein Witz. Der Preis müsste das tatsächliche 1,5 Grad Budget berücksichtigen und monatlich angepasst werden. 180€ pro Tonne CO2-Äquivalent zum Start, 640 Euro wenn es kritisch wird. Diese Zahlen nannte schon vor einigen Jahren das Umweltbundesamt. Fliegen würde deutlich teurer werden, auch Fleisch. Trotzdem wäre das Leben noch bezahlbar.

Die BCG-Experten stecken inzwischen aber ganz gut im Film, wie die Keynote der Spiegel-Klimakonferenz (ab ca. 6 Minuten) zeigt.