Aufnahmen von UKW-Testsendungen und neuen Radiosendern 1986-1993
Heute kann man sich kaum noch vorstellen, wie leer die UKW-Skala vor 1986 war. NDR 1,2,3, vielleicht noch ein paar schwache Signale aus einer benachbarten Region, und oberhalb von 100 MHz ... nichts. Dort, wo ich damals lebte, in Satrup bei Flensburg, füllte sich höchstens bei seltenen Überreichweiten das obere Band - Italien oder Spanien benutzten es schon lange, Frankreich und Großbritannien waren auch etwas schneller. Das änderte sich dann: zuerst wurde der Bereich bis 104 MHz freigegeben, dann auch bis 108 MHz. Zuerst mit kleinen Leistungen, dann volle Kraft. Privatsender, zusätzliche Ketten der öffentlich-rechtlichen und der Deutschlandfunk füllten plötzlich diese Bereiche. Sie kündigten sich mit Testsendungen an, die heute legendär sind. Hier kommt ein kleiner Ausschnitt, was ich damals z.T. bei Überreichweiten auf Cassetten gebannt habe.
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Schleswig-Holstein
Sendergruppe Schleswig-Holstein (RSH Testsendung)
RSH sollte Norddeutschlands erster Privatsender werden, der mit einem leistungsstarkem Sendernetz ein gesamtes Bundesland versorgte. Bevor es richtig losging, gab es ein paar Wochen Probebetrieb. Im Juni 1986 tauchte das mit Spannung erwartete erste offizielle Radiosignal in Schleswig-Holstein oberhalb von 100 MHz auf. Nach dem Posthorn folgte die Ansage "Sendergruppe Schleswig-Holstein der Deutschen Bundespost mit dem UKW-Sender Kiel auf der Ultrakurzwelle 102.4 MHz".
Sendergruppe Schleswig-Holstein mit weiteren Sendern
Tag für Tag kamen weitere Sender hinzu. Damit verlängerte sich auch die Ansage, an die ganz offensichtlich die weiteren Standortnamen hinten angeflickt wurden.
RSH Sendestart am 1.7.1986
Man kann die Aufbruchstimmung förmlich greifen. Der schleswig-holsteinische Einschlag bei Nachrichtensprecher Jörg Wilhelmy (später NDR 1 Welle Nord), das gestelzte Grußwort von Programmdirektor Hermann Stümpert und natürlich der im Duett gesungene, heimatlich anmutende RSH-Song mit seinem trutschigen Text ("Auf UKW, da sind wir prima drauf!"). Das ist der sympathische Charme der Anfangsjahre, der den Nerv der Schleswig-Holsteiner traf. Das Programm ist inzwischen wie bei fast allen Sendern wesentlich steriler geworden.
2.Senderkette Schleswig-Holstein
Als RSH schon fast 7 Jahre sendete, im März 1993, nahmen in Schleswig-Holstein erstmals leistungsstarke Sender den Betrieb oberhalb von 104 MHz auf. Diese zweite Landeskette ging an Alpha Radio, das mit einem Classic-Rock-Format startete. Der Name wurde wenige Monate danach aus rechtlichen Gründen auf Delta Radio geändert. Auch die Musik wechselte: Ende der 90er war es Pop, heute ist Delta ein jugendorientiertes Programm mit neueren Rock- und Poptiteln.
Alpha Radio SH Testsendung NDR1 Welle Nord Einstellung 101,1
NDR 1 gab die Frequenz in Neumünster-Arpsdorf an Alpha Radio ab und bekam dafür die neue 106,4. Hier die liebevolle gestaltete Info-Absage.
Hessen
HR4 Testsendung
In Hessen bekam zuerst der HR Zugriff auf die neuen Frequenzen über 100 MHz. Am 6.10.1986 startete HR4 mit einem Schlagerprogramm und stärkeren regionalen Anteilen. Vorher lief diese Testsendung mit Synthisounds wie aus einem alten Science-Fiction-Film, gefolgt von der schwungvollen Ansage unterlegt mit Big-Band-Sound. Welch ein Kontast.
Erst 1989 ging der Privatsender FFH landesweit auf Sendung.
Bremen
Radio Bremen 4 Sendestart
Bremen bekam am 1.12.1986 keinen Privatsender, sondern einen öffentlich-rechtlichen mit einem jungen Programm auf 101,2 und 100,8 MHz. Deshalb mathematisch gerundet bzw. gemittelt: "101 Mix".
Radio Bremen 4 Testsendung & Song
Ein unglaublicher Rap ganz im Stil der Zeit. Man wollte ja die Jugend ansprechen.
Hamburg
Radio Hamburg Nachrichten 1987 intro
An 31.12.1986 zog Hamburg nach. Hier enstanden in kurzer Zeit gleich vier neue Stationen. Radio Hamburg startete auf der leistungsschwachen 95,0 und wechselte nach einem halben Jahr auf 103.6, die bis heute die mit Abstand leistungsstärkste Privatradiofrequenz der Hansestadt.
Radio Hamburg jingle
von 1987
OK Radio (HH 95.0) Testsendung & Song
Auch die Kleinfrequenz 95,0 erlebte viel Wechsel. Nach Radio Hamburg und einem längeren Testbetrieb begelgte OK-Radio vom 1.3.1988 die Frequenz. Es begann mit dem rockorientierten OK-Radio, das sich 1990 später zu einem Jugend-Pop-Sender wandelte. Später folgten oldieorientierteformate mit OK Magic 95, Magic FM, Mix 95.0, Fun Fun Radio, Fun Fun 95.0, Oldie 95. Derzeit läuft mit "Hamburg 2" ein Pop-AC-Format.
Hamburg 97.1 Testsendung
Die 100 Watt-Frequenz 97,1 in Hamburg hat eine wechselhafte Geschichte erlebt. Den Anfang machte das gemeinnützige Radio KoRaH (Kommunales Radio Hamburg), das 1987 nur wenige Monate durchhielt. Es folgten u.a. das Jazzradio und schließlich Energy.
Radio KoRaH (Hamburg 97.1) Radio KoRaH
Testsendung mit Song
Radio 107 (HH) Nachrichten Intro
Radio 107 war lange Zeit allein auf weiter Flur auf der Skala über 104 MHz, allerdings zunächst nur mit schwachen 160 Watt und einer souligen, etwas unabhängigeren Musikauswahl. Später wurde daraus Alster Radio, zunächst mit Schlageranteilen, inzwischen ist es ein Pop-Rock-Format.
Niedersachsen
Radio ffn Testsendungen
Ende 1986 begann auch die neue Radioepoche in Niedersachsen, mit ähnlichen Testsendungen, wie zuvor in Schleswig-Holstein. ffn baute sich mit tollen abendlichen Musikspecials und vor allem der gnadenlosen Comedy im "Frrühstyxradio" einen Ruf auf, von dem sie noch lange zehren sollten. Inzwischen Format-Einerlei.
Radio ffn & Radio Hamburg Nordnacht
Die Privatsender aus Hamburg und Niedersachsen sendeten schon bald gemeinsames Nachtprogramm. Das war insofern beachtenswert, als das Zusammenschalten über die Bundesländergrenzen hinweg lizenztechnisch nicht trivial war. 2015 wurde die Nordnacht neu aufgelegt.
Nordnacht Radio ffn Nachrichten intro Radio ffn Verkehrsservice Antenne Niedersachsen Testsendungen
1990 bekam ffn Konkurrenz: Zunächst mit einem Programm, das eher auf die reiferen Erwachsenen abzielte. "Sie empfangen den Ultrakurzwellensender Cuxhaven der Deutschen Bundespost auf der Frequenz 104,6 MHz. Nach dem Ende des Testbetriebes empfangen Sie über diese Frequenz das Programm von Antenne Niedersachsen." Danach sind die später ausgestrahlte Version mit Unterlegmusik und weiteren Standorten und ein Live-Test des Verkehrsfunks zu hören.
Sie waren vor dem Start der Privatsender extrem beliebt: Aktuelle Hits, viel Musik, coole Moderation - all das hatten sie mehr oder weniger exklusiv.
AFN Bremerhaven Power Radio jingle & Addresse
Von ca. 1987-1995 sendete AFN Bremerhaven in Flensburg auf 106.5 MHz mit 100 Watt. Das Monosignal hatte nur eine geringe Audioqualität. Offenbar sparte man beim Aufwand für die Zuführung. Der Mast stand vermutlich an der Briesenkaserne in Weiche.
AFN Bremerhaven serving you and Flensburg too
Hier ein seltener Spot, in dem Flensburg erwähnt wird.
BFBS ID & BBC news intro 1987 BFBS Tommy Vance 1987 BFBS jingle
"Britains Number One Armed Forces Radio" 1987
CFN news intro
der Sender der Kanadier, die in Süddeutschland nur ein paar Kleinsender betrieben
AFN Stuttgart news intro
Dänemark
Dänische Lokalradios
Die ersten, die im Flensburger Raum das Neuland über 100 belegten, waren die Dänen. So tauchte ganz schwach im Flensburger Raum ca. 1982 auf 102,3 eine Station aus Bylderup-Bov auf, die nur wenige Stunden am Tag ein christliches Programm ausstrahlte. In den Kleinstädten Apenrade, Sonderburg und Graasten gründeten sich in den Folgejahren Lokalradios, meist getragen von einem Verein, aber auch mit Werbung, die im Laufe der 90er zunehmend kommerzieller wurden. Aus Gravenstein sendete von 1991 bis 1996 an Förde Fetz Radio jeden Freitag Abend ein paar Stunden Rockmusik für Flensburg.